Javascript aktivieren!

La Ferme de la Culture Sauvage

Rückschläge und Zuversicht

»Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.« – ein vielzitierter Satz, aber der Herr Goethe verschweigt dabei, wie weh es tut, wenn man zuvor über sie gefallen ist. Ein Text darüber, wie wir nach jedem Mist erst recht motiviert sein wollen.

Immer wieder höre ich von Menschen, die in allem Negativen etwas Positives sehen. Aus Steinen, die ihnen in den Weg gelegt werden, bauen sie einfach ein Haus. Ich hielt dieses Kuschelmotto immer für unglaubwürdig. Menschen, die vom Pech verfolgt waren und doch mit starker, unerschütterlicher Stimme erklären, dass alles immer für irgendwas gut sei, die konnte ich nie wirklich ernst nehmen. Schlimme Dinge sind schlimm und das ändert sich nicht, wenn man sie schön redet!

Solche Reaktionen erklärte ich mir meist mit dem Bedürfnis, eine Katastrophe erträglicher zu machen. Mit dem Bedürfnis nach einer Erklärung: Warum passieren diese Dinge?

Ich habe das nicht veruteilt. Jeder hat das Recht, sich sein Leben mit ein wenig klugem Selbstbetrug angenehmer zu machen. Das tut niemandem weh. Und dennoch: es bleibt Selbstbetrug.

In der letzten Zeit aber hat sich meine Sicht darauf geändert. Vielleicht ist da doch mehr dran als nur Schönrederei? Auf der Suche nach einem Ort, an dem unser Leben unseren Träumen näher kommen kann, machen wir spannende Erfahrungen, die nicht nur schön sind, nein, sogar auch sehr hässlich. Da werden Träume zerschmettert, Pläne werden von plötzlichen Ängsten betroht, Menschen sind unhöflich, radikal und rücksichtslos. Schläge ins Gesicht, echte Tiefpunkte, die Trauer, Wut und Trotz hervorrufen.

Wir könnten aufgeben und damit dem Motivationskiller Recht geben. Wir könnten wütend reagieren, Gegenstände gegen Wände schmeißen oder Sachen zerreißen. Wir könnten diesen Menschen mal so richtig eine Lektion erteilen. Aber wir sind erst mal still geworden, haben den Impuls, destruktiv zu reagieren, bewusst zurückgehalten.
Und dann geschah etwas Besonderes: Aus der Kraft, die sich nicht in Wut entladen durfte, enstand ein Motivationsschub, ein produktives »jetzt erst Recht«.

Da fängt man zum Beispiel an, mit Hochdruck an einer anderen Sache zu arbeiten, etwas voran zu bringen, das bisher nur vor sich hin dümpelte. Oder es taucht plötzlich eine ad Akta gelegte Option wieder aus dem Sumpf der abgeschriebenen Möglichkeiten auf: »Also ich wäre ja auch noch da«, grinst sie uns an, »vielleicht solltet ihr mich doch wieder in Betracht ziehen?«

Solche Erfahrungen sind es, warum ich auch in Zukunft bei unangenehmen Ereignissen ganz bewusst nach dem Kaptital suche, das in der Sache stecken könnte. Nach der Möglichkeit, den Ärger durch ein Produktivitätsventil abzulassen und damit dem ganzen Schlamassel doch etwas Positives abzugewinnen. Das heißt nicht, dass der nächste Schlag nicht weh tun wird, sondern nur, dass wir die Kraft der Wut in Produktivität umlenken wollen.

23.05.2017
Stefan
105 Mal gesehen.
5 / 8

Kommentare

Wähle die passende Aussage, bezogen auf diesen Artikel:

Noch keine Kommentare.